Integrated Reporting

Wieso rein ökonomische Berichte nicht mehr alle Anforderungen an ein modernes Berichtswesen abdecken

Das Berichtswesen von Unternehmen – sowohl an interne wie auch an externe Adressaten – ist traditionell durch einen klar ökonomischen Fokus geprägt. Der Ausgangspunkt der Entwicklung des Berichtswesens waren rein zahlenbasierte Berichte, welche den Empfänger über ausgewählte ökonomische Messgrößen informierten. Das Problem hierbei ist, dass solch ein „klassisches“ Berichtswesen zum einen eine rein vergangenheitsorientierte Sichtweise hat. Zudem sind Zahlen in tabellarischer Aufbereitung eine Form der Informationsvermittlung, welche nicht allen Informationsempfängern wirkliche Einsichten in die Unternehmensentwicklung ermöglicht.

Weiterentwicklung des Berichtswesens

Um diesen Einschränkungen der Berichte zu begegnen, wurden diese in den Finanz- und Controllingabteilungen kontinuierlich weiterentwickelt. Durch die Konzeption und Verwendung von Kennzahlen, die Sachverhalte verdichten, kann der Informationsumfang reduziert, die Qualität der Information dabei jedoch gleichzeitig erhöht werden. Durch Visualisierungen kann die Verständlichkeit von quantifizierten Sachverhalten erhöht werden. Mittels strategisch orientierten Kennzahlen und Indikatoren wird versucht, auch die prognostizierte zukünftige Entwicklung des Unternehmens abzubilden. Und durch qualitative Informationen, welche meist in Textform die Berichte ergänzen und erweitern, sollen auch diejenigen relevanten Sachverhalte integriert werden, welche sich aktuell (noch) nicht quantifizieren lassen.

Veränderung der Anforderungen an das Berichtswesen

Sämtliche dargestellte Entwicklungsschritte des Berichtswesens haben dessen Qualität und Entscheidungsunterstützung für interne und externe Adressaten signifikant gesteigert. Jedoch bewahren sie weiterhin die grundlegend rein ökonomische Perspektive des Berichts auf das Unternehmen, d. h. ein Unternehmen bleibt ein Ort der Gewinnerzielungsabsicht und wird daher daran gemessen, inwieweit dies unter Berücksichtigung von Liquidität, Rentabilität und Wirtschaftlichkeit gelingt.

Hierbei wird außer Acht gelassen, dass sich der Bewertungsmaßstab vieler relevanter Stakeholder bei weitem nicht auf den finanziellen Erfolg des Unternehmens beschränkt: Kunden möchten Produkte kaufen, welche unter Wahrung ökologischer und sozialer Standards produziert wurden. Auch immer mehr Unternehmen formulieren derartige Anspruchshaltungen an mögliche Kooperationspartner. Das gleiche gilt für potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei der Suche nach einem passenden Arbeitgeber verstärkt auf dessen Reputation hinsichtlich der Corporate Social Responsibility (CSR) achten. Zudem haben natürlich auch staatliche Organe, Verbände und Non Profit Organisationen ein Interesse daran, dass sich Unternehmen entsprechend gesetzeskonform sowie ökologisch und sozial verträglich verhalten.

Berichtswesen und Corporate Social Responsibility

Diese Anforderungen der Stakeholder sind nicht grundlegend als Risiko zu verstehen, sondern bieten durchaus auch eine Chance, sich von Mitbewerbern – sowohl auf dem Absatzmarkt wie auch auf dem Arbeitsmarkt – wirksam zu differenzieren. Die Grundvoraussetzung hierfür ist selbstverständlich, dass das Unternehmen zum einen gesellschaftliche und ökologische Belange in seinem Handeln berücksichtigt, aber auch, dass es diesen Sachverhalt entsprechend wirksam kommuniziert.

Als Lösungsansatz für diese Herausforderungen gingen Unternehmen dazu über, separate Nachhaltigkeitsberichte oder CSR-Berichte zu erstellen und zu veröffentlichen. Diese sind ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Berücksichtigung nicht-ökonomischer Zielsetzungen im Berichtswesen, da sie die Anforderung mit sich bringen, passende Ziel- und Messgrößen für die Erreichung solcher Ziele zu definieren, zu erheben und zu kommunizieren.

Gleichzeitig wurde jedoch oftmals der Vorwurf eines „Windowdressing“ oder „Greenwashing“ laut, da die separierten Berichte zwar nun die Auswirkungen des Unternehmens auf Umwelt und Gesellschaft diskutierten, die wesentliche Kommunikation an interne Entscheidungsträger und externe Investoren jedoch weiterhin ökonomisch fokussiert blieb.

Ziele und Möglichkeiten des Integrated Reporting

Um das Zusammenspiel von Ökonomie, Gesellschaft und Ökologie wirklich in der Unternehmenssteuerung zu berücksichtigen, muss also die Trennung zwischen den klassisch ökonomischen Berichten und den CSR-orientierten Berichten aufgehoben werden, mit dem Ergebnis, ein gemeinsames „Integrated Reporting“ zu schaffen. Sowohl für externe Adressaten, vor allem aber auch zur internen Information und Entscheidungsunterstützung.

Für das Controlling entsteht hier eine spannende und überaus wichtige Zukunftsaufgabe: Wie lassen sich die Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten auf Umwelt und Gesellschaft erkennen, messen, steuern und optimieren? Wie gelingt es, diese Bemühungen wirksam nach außen zu kommunizieren? Und vor allem: Wie können ökologische und gesellschaftliche Zielsetzungen in das interne Controlling-System integriert werden, damit sie im Tagesgeschäft wirklich Berücksichtigung finden. Fragen, auf die ein Controlling, das durch wirksame Softwarelösungen mehr und mehr von Routineaufgaben entlastet wird, entsprechende Antworten finden muss.

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