Innovation erfordert neue Fehlerkultur – das Controlling unterstützt

Als „Fehler“ bezeichnet man die Abweichung eines Zustands bzw. eines Ergebnisses von einer Vorgabe, einem Standard oder einem Ziel. Man spricht hierbei auch von der „Nichterfüllung einer Anforderung“. In Unternehmen liegt die Aufdeckung und Analyse solcher Fälle oftmals im Aufgabengebiet des Controllings.

Ein Fehler aus Controllingsicht liegt dann vor, wenn der Ist-Wert eines bestimmten Indikators von einem zuvor definierten Soll-Wert abweicht. Aufgabe des Controllings ist es dann, die Ursachen dieser Soll/Ist-Abweichung zu analysieren. Die Grundidee dabei ist, dass dieses Erkennen und Analysieren von Fehlern seitens des Controllings eine Unterstützungsleistung für die Führungskräfte darstellen soll. Wer Abweichungen erkennt bzw. aufgezeigt bekommt, erhält dadurch die Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen.

Fehler ermöglichen es uns zu lernen
Dieses Konzept ist selbstverständlich schon so alt wie das Controlling selbst. Doch bis heute bleibt ein wesentliches, damit verbundenes, Problem oftmals ungelöst: Was als Hilfestellung gedacht ist, wird oftmals als Schuldzuweisung verstanden oder sogar gelebt. Statt sachorientiert Hilfe zu leisten werden bei Abweichungen personenorientiert Schuldige gesucht. Das Ergebnis ist eine konsequente Fehlervermeidung und auch -verdeckung. Dabei müssen Menschen Fehler erkennen, um daraus lernen zu können. Wenn das Ergebnis einer Handlung vom angestrebten Ergebnis abweicht, ist das ein deutlicher Hinweis dafür, dass man beim nächsten Versuch die Herangehensweise anders wählen muss.

Doch während Fehler im Alltag oftmals schnell auffallen, sind Abweichungen vom Ziel im Unternehmenskontext oftmals zunächst nur abstrakt greifbar. Es bedarf spezifischer Controllingsysteme, bestehend aus einer Planungs-, Kontroll- und Informationsfunktion, basierend auf quantitativen oder auch qualitativen Ziel- und Messgrößen, um Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Wir können das Problem also nicht dadurch lösen, dass das Controlling zukünftig einfach darauf verzichtet, durch Controllingsysteme Fehler sichtbar und analysierbar zu machen.

Der richtige Umgang mit Fehlern
Es stellt sich also die Frage, wie man die Akzeptanz für diese Controlling-Aufgabe erhöhen kann und wie sich der interne Umgang mit Fehlern, die „Fehlerkultur“ verändert lässt. Hierfür muss man sich – im Controlling wie auch im gesamten Unternehmen – von der Vorstellung lösen, dass Fehler bzw. Abweichungen etwas sind, was es in jedem Fall zu vermeiden gilt. Umso dynamischer sich das Umfeld eines Unternehmens verändert, umso schwieriger gestaltet es sich, für jede zukünftige Herausforderung heute schon den richtigen Lösungsansatz zu finden. Eine erkannte Abweichung bietet die Chance, ergriffene Maßnahmen oder auch die Planung selbst neu zu überdenken.

Wichtig dabei ist sich immer bewusst zu sein: Der erste Ansatz in der Maßnahmenumsetzung war nicht zwingend schlecht und die Beteiligten sind jetzt daran schuld. Man hatte zu diesem Zeitpunkt lediglich noch nicht das Wissen, welches jetzt zur Verfügung steht. Die von Unternehmen oftmals geforderte Innovationsfähigkeit ist also nur dann möglich, wenn neue Ansätze und Ideen ausprobiert werden können und ausprobiert werden dürfen, ohne dass ein „Fehler“ den Beteiligten direkt negativ ausgelegt wird. Problematisch sollten Fehler erst dann werden, wenn man sie ständig wiederholt.

Eine neue Fehlerkultur im Controlling
Diese Kulturveränderung muss dabei immer beidseitig gelebt werden. Zum einen bedarf es innerhalb des Unternehmens generell einer „innovationsorientierten Fehlerkultur“, welche Abweichungen vom Soll als Teil eines Lernprozesses und als einen unvermeidlichen Bestandteil der Unternehmensentwicklung in einem disruptiven Umfeld begreift. Ist dieses Verständnis nicht gegeben, bleiben Fehler etwas, was man in jedem Fall vermeiden sollte. Ist Fehlervermeidung das oberste Gebot, ist jeder Hinweis darauf, dass sie trotzdem auftreten, der Falsche.

Zum anderen benötigen auch die Controllerinnen und Controller oftmals etwas mehr „psychologisches Geschick“ darin, erkannte Abweichungen den Verantwortlichen so zu kommunizieren, dass diese die Unterstützung als solche annehmen können. Statt an alle Empfänger versandte Berichte, aus welchen dann die Verantwortlichkeiten für die ersichtliche Soll/Ist-Abweichungen personifiziert hervorgehen, bietet es sich an, auf benutzerindividuelle Berichte oder auch einmal das persönliche Gespräch zurückzugreifen. Controlling-Berichte in einer innovationsorientierten Fehlerkultur dienen also nicht der nachträglichen Rechtfertigung im Sinne eines „ich habe es euch doch gesagt“, sondern sind die Grundlage für den Controller, aktiv auf eine notwendige Kurskorrektur einzuwirken.

 

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