Controlling im digitalen Zeitalter – Wie Controller den neuen Möglichkeiten begegnen können

Das Thema „Digitalisierung“ wird im Unternehmenskontext noch immer primär als unausweichliches Risiko betrachtet. Eine Entwicklung, der man sich, ungern aber unausweichlich, stellen muss. Die Angst vor tief greifenden Veränderungen ist menschlich, insbesondere dann, wenn eine hohe Zufriedenheit mit der aktuellen Situation vorherrscht. Betrachtet man die Digitalisierung jedoch bewusst mit dem Fokus auf neue Chancen, zeigt sich oftmals, dass die „neue Welt“ durchaus Verbesserungen mit sich bringen kann. Dies gilt selbstverständlich auch für das Controlling. Nachfolgend sind vier wesentliche Entwicklungen dargestellt, welche die Arbeit der Controller zukünftig prägend werden, wenn sie sich denn darauf einlassen:

 

Controlling in Zeiten der Beschleunigung.

Eine zunehmend „digitalisierte“ Welt schafft eine enorme Beschleunigung unserer Kommunikation, unserer Prozesse und damit auch unseres unternehmerischen Handelns. Für Controller bedeutet dies, dass das Wort „kurzfristig“ oftmals neu definiert werden muss, um die Agilität und Adaptionsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten. Hier bedarf es passender Instrumente und Softwarelösungen. So ermöglichen es treiberbasierte Planungsmodelle, die Auswirkungen kurzfristiger Umfeldveränderungen auf die operative Planung zeitnah zu ermitteln. Gelingt es einem Reiseanbieter bspw., die quantitative Wirkung politischer Unruhen auf bestimmte Destinationen in das Planungsmodell zu integrieren, kann bei deren Eintreten die Veränderung des Unternehmensergebnisses zeitnah dargestellt werden, ohne dass das gesamte Planungsmodell von Grund auf neu aufgesetzt werden muss. Empfängerorientiert eingerichtete Management Cockpits erlauben es Führungskräften, die für sie wichtigen Informationen jederzeit ad hoc abzurufen, d. h. das Controlling muss diese nicht manuell erstellen. Sind Controller also bereit, die technologischen Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, können altbekannte Anforderungen deutlich vereinfacht oder sogar komplett an die Software „ausgelagert“ werden.

 

Neue Schlüsselqualifikationen für Controller

Doch diese technologischen Möglichkeiten schaffen auch neue „Konkurrenten“. Big Data, Artificial Intelligence, Industrie 4.0 – die Reihe der Schlagwörter für neue Technologien der Datenerfassung und -aufbereitung ist lang. Mancher Controller mag da befürchten, dass die eigene Arbeit bald von Algorithmen ersetzt wird. Dabei haben wir Menschen Fähigkeiten, welche die künstliche Intelligenz noch (lange) nicht vorweisen kann: Zum Beispiel Neues verstehen oder Themen wirkungsvoll kommunizieren.

Für Controller bedeutet dies: Suchen Sie den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen. Die Daten aus den zunehmend vernetzten Maschinen sind nur ein Teil der Informationsbasis über etwaige Produktionsprobleme. Den anderen Teil erhalten Sie nur vor Ort, im Gespräch mit den handelnden Personen. Und auch ein ansprechend aufbereiteter Vertriebsbericht bedarf des Öfteren eines Controllers, der vor Ort die Gründe der Abweichungen analysiert und bei der Maßnahmenplanung unterstützt. Die erforderlichen Schlüsselqualifikationen des Controllers erweitern sich also deutlich.

 

Die IT als Chance verstehen

Oftmals betrachten Controller die IT bei ihren Analysen als Kostenfaktor, der im Sinne des Unternehmens reduziert oder zumindest stabil gehalten werden muss. Dabei übliche Themen sind die Anzahl der IT-Mitarbeiter je Vollzeitäquivalente, die Kosten für Lizenzen und Hardware oder Fragen des IT-Outsourcings. Digitalisierung ist zwar immer mehr als ein reines IT-Thema, verbleibt ohne IT jedoch zumeist im theoretischen Rahmen.

Eine innovative IT-Abteilung, welche das Controlling bei den Möglichkeiten der Datenerfassung und -aufbereitung, sowie bei der Auswertung und Kommunikation unterstützt, ist für ein modernes Controllingsystem unerlässlich. Hierfür müssen die IT-Mitarbeiter jedoch zeitliche und monetäre Spielräume erhalten, diesen Prozess durch Ideen und Lösungen aktiv zu begleiten. Eine IT, welche nur an der Aufrechterhaltung des Status quo zu minimalen Kosten gemessen wird, kann diese Unterstützung nicht leisten.

 

Controlling von Geschäftsmodellen

Von außen betrachtet wirkt die Start-up Szene wie eine Ansammlung kometenhafter Erfolgsgeschichten. Doch oftmals ist der Anteil der gescheiterten Geschäftsmodelle ungleich höher. Es zeigt sich: Die Marktfähigkeit wirklich innovativer Ideen lässt sich immer weniger allein über Business Pläne und Kalkulationen bestimmen, sondern nur in deren tatsächlicher Erprobung auf dem Markt:

Bleibt das Controlling also bei diesem Thema außen vor? Keinesfalls! Gerade wenn sich Unternehmen entschließen, in zukunftsweisende Geschäftsmodelle zu investieren, werden Controller als „Stimme der ökonomischen Vernunft“ benötigt: bspw. um neue Produkte zu identifizieren, welche selbst bei optimalen Verkaufspreisen keinen Deckungsbeitrag erwirtschaften können. Oder Investitionsvorhaben zu prüfen, welche die Liquiditätssituation des Unternehmens über Gebühr strapazieren. Wichtig dabei ist, dass Sie von den Kollegen dabei nicht als prinzipieller Pessimist wahrgenommen werden, welcher das Meeting zur Diskussion der Nachkommastelle einnimmt, sondern als Sparringspartner, welcher das „Geschäft“ im Geschäftsmodell sicherstellt.

 

Controlling Congress: Controlling im digitalen Zeitalter

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